In Kürze
- Treatwell ist Marketplace + Buchungssoftware. Treuli ist salon-eigenes Loyalty-System. Unterschiedliche Probleme, kein direkter Konkurrent.
- Treatwell nimmt 35 % Provision auf jede Erstbuchung eines Neukunden über den Marketplace. Auf Wiederkehrer sind es 0 %.
- Treatwell hat kein salonspezifisches Treueprogramm. „Treatwell Rewards" ist plattformweit (Punkte bei allen Treatwell-Salons einlösbar), nicht an deine Marke gebunden.
- Treuli hostet in Deutschland, AVV inklusive. Treatwell-Hosting ist nicht öffentlich dokumentiert.
- Empfehlung: neuer Salon → Treatwell für Reichweite. Etablierter Salon → Treuli für Stammkundenbindung. Große Salons → beides parallel.
Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein klassisches Duell: Treatwell, der große Salon-Marketplace in DACH, gegen Treuli, das deutsche Loyalty-System mit Buchungs-Add-on. Doch wer beide Tools näher anschaut, merkt schnell: das ist kein „entweder-oder". Treatwell und Treuli lösen zwei völlig unterschiedliche Probleme. Dieser Vergleich räumt das Missverständnis aus, stellt die realen Kosten nebeneinander und zeigt, wann welches Tool, oder die Kombination aus beiden, die bessere Wahl für deinen Salon ist.
Wer ist Treatwell?
Treatwell ist der mit Abstand bekannteste Online-Marketplace für Friseur-, Beauty- und Wellness-Buchungen im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen operiert seit 2008 (damals noch als „Wahanda"), wurde mehrfach umfirmiert und sitzt heute als Treatwell DACH GmbH in Berlin (HRB 142124 B, Amtsgericht Charlottenburg). Muttergesellschaft ist die Treatwell Ltd. in London. Laut älteren Angaben in der Fachpresse sind rund 3.500 Partner-Salons in Deutschland und etwa 20.000 europaweit angebunden, eine aktuell verifizierte Zahl nennt Treatwell nicht öffentlich.
Kern des Produkts ist das Marketplace-Modell: Kunden suchen auf treatwell.de nach Salons in ihrer Stadt, filtern nach Leistung und Datum und buchen online. Dafür zahlt der Salon zweierlei: eine monatliche SaaS-Gebühr für „Treatwell Connect" (39 €/Monat Basis ohne Kasse, 49 €/Monat Advanced inkl. TSE-Kasse, plus einmalig 99 € Setup) und auf jede Marketplace-Erstbuchung eines Neukunden 35 % Provision. Wiederkehrer sind provisionsfrei. Zusätzlich gibt es 2 % Online-Zahlungsgebühr, Terminal-Gebühren von 0,79 % + 0,20 € pro Transaktion und ein TSE-Kassen-Zusatzpaket für 7,50 €/Monat. Der studiolution-Vergleich rechnet für einen typischen Salon einen realen Gesamtaufwand von etwa 266 €/Monat vor. Eine reine SaaS-Variante ohne Marketplace-Listung wird offiziell nicht separat angeboten.
Wer ist Treuli?
Treuli ist eine Multi-Tenant-Loyalty-Plattform aus Deutschland, gebaut für Salons, Cafés, Bäckereien und alle lokalen Betriebe, die Stammkundschaft an die eigene Marke binden wollen. Der Kern: Kunden scannen den QR-Code auf dem Kassenbon (TSE-signiert in DE, RKSV in AT), landen ohne App-Installation in einer Progressive Web App und sammeln Punkte für Prämien. Wer mag, speichert die Kundenkarte in Apple Wallet oder Google Wallet. Der Punktestand aktualisiert sich live per Push. Neu bei Treuli ist das Buchungsmodul für 39 €/Monat als Add-on in jedem Tarif, im Enterprise inklusive. Es bildet Termine direkt auf der Salon-Website ab, ohne Marktplatz-Listung und ohne Provision.
Treuli hostet verifiziert in Deutschland, stellt den AVV mit digitaler Signatur bereit und betreibt nur salon-eigene Loyalty-Programme: Ein Kunde, der bei dir sammelt, bindet sich an deinen Salon-Namen, nicht an eine Plattform. Mehr dazu auf der Friseur-Seite und der Preisseite.
Das zentrale Missverständnis
Die spannende Frage in fast jedem Salon-Team lautet: „Sind Treatwell und Treuli Konkurrenten?" Die ehrliche Antwort: nein, jedenfalls nicht direkt. Treatwell löst das Problem „Wie komme ich an Neukunden?" über einen DACH-weiten Buchungs-Marketplace. Treuli löst das Problem „Wie halte ich Kunden, die schon bei mir waren, langfristig an meine Marke gebunden?" über ein eigenes, salon-spezifisches Punkteprogramm.
Wer diese beiden Funktionen nicht sauber trennt, zahlt an Treatwell 35 % auf Neukunden und verliert trotzdem die Kundenbeziehung an die Plattform, weil Treatwell keinen Hebel bietet, den Neukunden zum eigenen Stammkunden zu machen. Genau an dieser Stelle setzt Treuli an: Die Kundenbeziehung nach der ersten Buchung gehört wieder dem Salon. Wer das Treuli-Buchungsmodul ergänzend einsetzt, kann die Erstbuchung provisionsfrei abwickeln, zumindest für alle Kunden, die nicht über den Treatwell-Marketplace kommen.
Feature-Matrix im direkten Vergleich
| Feature | Treuli | Treatwell |
|---|---|---|
| Preismodell | 39 €/Monat Buchungs-Add-on (jeder Plan, im Enterprise inklusive) · 0 % Provision | 39–49 €/Monat + 99 € Setup + 35 % Neukunden-Provision |
| Marketplace-Zugang (treatwell.de Listing) | ❌ | ✅ |
| Eigenes salonspezifisches Loyalty-System | ✅ | ❌ |
| Provision auf Neukunden | 0 % | 35 % auf Erstbuchung via Marketplace |
| E-Mail-Reminder | Unlimitiert | Unlimitiert |
| SMS-Reminder | ❌ | Inklusive (Menge nicht öffentlich) |
| Kasse/POS integriert | Nein (liest TSE-QR externer Kassen) | Ja (Advanced-Tarif, inkl. TSE) |
| White-Label / Markenpräsenz | Voll (Salon-Marke) | Treatwell-Marke (Kunde bucht auf Plattform) |
| DSGVO-Hosting transparent | 🇩🇪 Deutschland (AVV inklusive) | [nicht öffentlich dokumentiert] |
| Kundendaten-Eigentum | Ausschließlich Salon, Export jederzeit | Geteilt mit Plattform |
| Antwortzeit Support | E-Mail + In-App, werktags innerhalb von 24 h | E-Mail, laut Nutzerberichten 4–5 Tage |
| Vertragsausstieg | Monatlich kündbar, Selbstbedienung | Laut Nutzerberichten mühsam (Account-Manager-Retention) |
| Apple Wallet / Google Wallet | ✅ | ❌ |
| QR-Scan Loyalty-Integration | TSE-QR vom Kassenbon | eVoucher-Scan in Treatwell-App |
Preis-Vergleich
| Position | Treuli | Treatwell |
|---|---|---|
| Einmalige Setup-Gebühr | 0 € | 99 € |
| Monatliche SaaS-Gebühr (Basis) | 0 € Free-Plan · 39 € Starter · 99 € Business | 39 €/Monat (Connect Basis, ohne Kasse) |
| SaaS mit Kasse/POS | Nicht integriert (Treuli liest TSE-QR externer Kassen) | 49 €/Monat (Connect Advanced, inkl. TSE) · +7,50 €/Monat TSE-Zusatz |
| Buchungsmodul | 39 €/Monat Add-on (in jedem Plan buchbar, im Enterprise inklusive) · 390 €/Jahr · 0 % Provision | Im SaaS-Tarif enthalten · 35 % Provision auf Erstbuchung Neukunde via Marketplace |
| Zahlungsgebühren | Keine (Treuli wickelt keine Zahlungen ab) | 2 % + MwSt. bei Online-Vorauszahlung · 0,79 % + 0,20 € pro Terminal-Transaktion |
| Realer Gesamtaufwand typischer Salon | 0–99 €/Monat (Loyalty) · + 39 € Buchungsmodul bei Bedarf | ~266 €/Monat laut studiolution-Vergleich inkl. Provision |
Beispielrechnung Treatwell-Provision: 50 Neukunden pro Monat über den Marketplace × 60 € Bon-Wert × 35 % = 1.050 €/Monat zusätzlich an Treatwell. Bei 100 Neukunden sind es bereits 2.100 €/Monat nur für die Provision, zusätzlich zur SaaS-Gebühr. Diese Rechnung greift nur, wenn der Kunde wirklich über treatwell.de kommt; eigene Stammkunden, die direkt beim Salon buchen, sind provisionsfrei.
Das Treuli-Buchungsmodul im Detail
Das Treuli-Buchungsmodul ist ein Add-on (in jedem Plan aktivierbar, im Enterprise bereits inklusive) und kostet 39 €/Monat bzw. 390 €/Jahr. Was es kann: eigenes Buchungs-Widget auf der Salon-Website, Mitarbeiter- und Dienstleistungs-Verwaltung, Terminkalender, automatische E-Mail-Bestätigung, automatische E-Mail-Erinnerung und Pufferzeiten zwischen Terminen. Der wichtige Teil: automatische Punktevergabe über Treuli, sobald ein Termin den Status „completed" erreicht. Der Kunde bucht direkt auf der Salon-Website, zahlt vor Ort wie gewohnt und sammelt gleichzeitig Loyalty-Punkte.
Was es bewusst NICHT kann: Marketplace-Listung auf einer übergeordneten Plattform (die Kundenbeziehung bleibt beim Salon), SMS-Reminder (nur E-Mail und In-App-Push), integrierte Zahlungsabwicklung im Buchungs-Flow (Zahlung läuft wie bisher an der Salon-Kasse), POS mit TSE (Treuli liest den TSE-QR deiner bestehenden Kasse). Diese bewusste Beschränkung hält das Add-on schlank und verursacht keine Folgekosten. Wer eine integrierte TSE-Kasse will, nutzt weiter seine bestehende Kasse und verbindet sie per QR-Scan mit Treuli.
Treatwell Rewards vs. salon-eigenes Loyalty
Treatwell bietet ein Punkteprogramm namens „Treatwell Rewards". Die Mechanik: Kunden sammeln 3 Punkte pro Euro bei Online-Buchung und 1 Punkt pro Euro bei Buchungen direkt im Salon. Gesammelte Punkte werden in Treatwell-Gutscheine umgerechnet, einlösbar in jedem Salon, der auf der Treatwell-Plattform gelistet ist. Klingt wie ein Treueprogramm. Aus Sicht eines einzelnen Salons ist es das aber nicht, jedenfalls kein markengeführtes Treueprogramm.
Der Unterschied ist fundamental. Bei Treatwell Rewards bindet sich der Kunde an die Marke Treatwell, er sammelt „für Treatwell" und kann seine Punkte beim Wettbewerb um die Ecke einlösen, solange der Wettbewerber auch Treatwell-Partner ist. Bei Treuli sammelt der Kunde ausschließlich für den Salon, bei dem er tatsächlich gewesen ist. Er kennt die Salon-Marke, bekommt E-Mails und Wallet-Push mit dem Salon-Logo und löst Prämien nur beim eigenen Salon ein. Das ist der Unterschied zwischen „Marketplace-Loyalty" und „Marken-Loyalty". Für die langfristige Wiederkehr-Rate und den Customer Lifetime Value ist die Marken-Loyalty deutlich wirkungsvoller.
Kundendaten-Eigentum
Wer „besitzt" die Kundenbeziehung? Bei Treatwell ist die Antwort: geteilt. Der Kunde hat ein Treatwell-Konto, die E-Mail-Adresse gehört Treatwell, Marketing-Kommunikation läuft primär über die Plattform, und Treatwell entscheidet, wann der Kunde als „Neukunde" bucht und damit eine 35 %-Provision auslöst. Kritik aus Nutzerberichten (studiolution, erfahrungen.com, Capterra): Kunden, die nach einer Buchungspause wiederkommen, werden in der Abrechnung mitunter als „Neukunden" reklassifiziert, erneute Provision.
Bei Treuli ist die Antwort eindeutig: die Kundendaten gehören ausschließlich dem Salon. Du exportierst jederzeit alle Daten (Name, E-Mail, Punktestand, Transaktionshistorie) als CSV. Du kommunizierst per E-Mail und Wallet-Push unter deinem eigenen Markennamen. Kein Intermediär, keine Reklassifizierung, keine nachgelagerte Provision. Wer den Salon eines Tages verkauft oder die Software wechselt, nimmt die Kundenbasis mit.
Wann Treatwell die bessere Wahl ist
Sei ehrlich zu dir selbst: Wenn dein Hauptproblem heute heißt „Ich brauche dringend mehr Neukunden, und zwar schnell", dann ist Treatwell bei dieser spezifischen Aufgabe kaum zu schlagen. Die Plattform hat echten Marktplatz-Traffic, Menschen, die gezielt nach einem Salon in ihrer Stadt suchen, landen bei Treatwell. Keine Loyalty-Software der Welt kann dir neue Kunden aus dem Nichts zaubern; ein Marketplace kann das.
Die 35 %-Provision auf die Erstbuchung ist teuer, keine Frage, aber wirtschaftlich kann sie aufgehen, wenn aus dem einmal provisionierten Neukunden ein wiederkehrender Stammkunde wird, den du provisionsfrei weiterbedienst. Genau hier liegt das Risiko: ohne ein eigenes Loyalty-System, das den Neukunden an deine Marke bindet, bucht dieser beim nächsten Mal wieder über Treatwell. Du zahlst dann zwar keine 35 %, bleibst aber davon abhängig, dass Treatwell deinen Salon in den Suchergebnissen gut sichtbar macht. Kurz: Treatwell ist das richtige Werkzeug für das Neukunden-Problem. Nichts mehr, nichts weniger.
Wann Treuli die bessere Wahl ist
Treuli ist die bessere Wahl, sobald mindestens einer dieser Punkte auf dich zutrifft: Du hast bereits Stammkundschaft und willst sie aktiv binden, nicht weiter an eine Plattform verlieren. Du willst transparentes DE-Hosting mit AVV. Du willst keine Provision auf irgendeine Buchung zahlen. Du willst, dass deine Kunden unter deinem Markennamen kommunizieren, Wallet-Pässe mit deinem Logo bekommen und Prämien nur bei dir einlösen.
Besonders interessant: Treuli lässt sich PARALLEL zu Treatwell einsetzen. Du behältst Treatwell als Neukunden-Akquise-Kanal (und zahlst die 35 % bewusst als Marketing-Budget), aber sobald der Neukunde einmal da war, holst du ihn über den TSE-QR-Scan auf dem Bon in dein Treuli-Loyalty-Programm. Beim zweiten Besuch sammelt er Punkte für deinen Salon, bei der fünften Behandlung bekommt er eine Prämie mit deinem Logo und hat einen echten Grund, direkt beim Salon zu buchen statt über Treatwell. Rechnerisch: Je mehr Neukunden du über Treuli zu Stammkunden machst, desto schneller amortisiert sich die Treatwell-Provision.
Fazit
Treatwell und Treuli sind keine Konkurrenten, sie sind zwei unterschiedliche Werkzeuge für zwei unterschiedliche Probleme. Unsere Empfehlung je nach Salon-Typ:
- Neuer Salon ohne Stammkundschaft: Treatwell, um über den Marketplace schnell an Erstkunden zu kommen. Treuli kann später ergänzt werden, sobald die Basis steht.
- Etablierter Salon mit Stammkundschaft: Treuli, um die bestehende Kundenbasis endlich unter der eigenen Marke zu bündeln, DSGVO-sauber und provisionsfrei.
- Großer Salon mit hohem Durchsatz: Beides parallel, Treatwell für Neukunden-Routing, Treuli für Stammkunden-Loyalty. Die Kombination macht Treatwell wirtschaftlicher und schützt die Kundenbeziehung langfristig.
Den Einstieg bei Treuli machst du in fünf Minuten: kostenlos registrieren, Free-Plan testen und bei Bedarf das Buchungsmodul als Add-on aktivieren oder auf Enterprise (inkl. Buchungsmodul) upgraden. Wer noch breiter vergleichen will, findet im großen Anbieter-Vergleich 2026acht weitere Loyalty-Tools im direkten Kontext.
